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  • Endlich wird in die Schiene investiert. Aber wann fährt was, und wer zahlt?

    Aus der Reihe „Schiene im Landeshaushalt“

    Hast du es auch schon gemerkt? Auf der Schiene in Schleswig-Holstein tut sich endlich etwas.

    Nach vielen Jahren, in denen kaum gebaut wurde, wird wieder in die Schiene investiert: die S4 nach Bad Oldesloe, die S5 nach Kaltenkirchen, eine elektrische Marschbahn, Reaktivierungen wie Geesthacht–Bergedorf und neue Gleise zwischen Elmshorn und Pinneberg. Zusammen geht es um rund 5,5 Milliarden Euro. Wir haben viele große Projekte vor uns, und das ist eine richtig gute Nachricht.

    Nur: Wann ist welches Projekt fertig? Und woher kommt das Geld? Das ist erstaunlich schwer herauszufinden. Die Antworten stecken verstreut im Landesnahverkehrsplan, im Haushalt, in Finanzplänen und Projektlisten. Eine Übersicht, die alles zusammenführt, gibt es nicht.

    Ich habe deshalb versucht, sie selbst zusammenzutragen: aus dem Landesnahverkehrsplan 2027–2031, dem Landeshaushalt, der Finanzplanung und der Projektliste des Landes zum Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes. Wo Zahlen nicht direkt dastehen, habe ich selbst gerechnet und das in den Grafiken gekennzeichnet. Die Grafiken sind interaktiv: Fahr mit der Maus oder dem Finger über die Balken, dann siehst du die Details.

    Was alles vor uns liegt

    Die zwölf größten Vorhaben auf einen Blick, sortiert nach Gesamtkosten:

    ProjektGesamtkostendavon Landin Betrieb
    S4 Ost Hamburg–Bad Oldesloeca. 1,8 Mrd. €ca. 90 Mio. €Rahlstedt 2027, ganz 2029
    3./4. Gleis Elmshorn–Pinnebergca. 1–1,2 Mrd. €offen2. Hälfte 2030er
    Elektrifizierung Marschbahn745 Mio. €127 Mio. €Anfang 2030er
    Knoten Elmshorn445 Mio. €ca. 10 Mio. €Mitte 2030er
    Kiel–Lübeck, Stufe 2B400 Mio. €100 Mio. €offen
    Neumünster–Bad Segeberg–Bad Oldesloe273 Mio. €70,5 Mio. €Anfang 2030er
    S5 Hamburg–Kaltenkirchen270 Mio. €36 Mio. €Dezember 2028
    Reaktivierung Geesthacht–Bergedorfca. 178 Mio. €ca. 30 Mio. €offen
    Kiel–Schönberger Strand86 Mio. €30 Mio. €bis Ende 2027
    Bahnhof Neumünsterca. 77 Mio. €ca. 36 Mio. €bis 2032
    Kiel–Preetz, Stufe 2Aca. 70 Mio. €4,8 Mio. €2027
    Bahnhöfe an der Fehmarnbelt-Strecke–33,5 Mio. €2031

    Zusammen sind das rund 5,5 Milliarden Euro Bauvolumen. Der Anteil des Landes liegt bei den meisten Projekten zwischen 10 und 25 Prozent, insgesamt bei deutlich über 600 Millionen Euro. Den Rest zahlt überwiegend der Bund, vor allem über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) und den Bedarfsplan Schiene.

    Kostenstände sind unterschiedlich alt. Die S4 ist mit dem Stand von 2018 angegeben, die Marschbahn mit März 2026. Real dürfte die Summe also eher höher liegen.

    Woher das Geld kommt

    Für den Landesanteil gibt es im Haushalt im Wesentlichen drei Töpfe:

    ✅ IMPULS, das Investitionsprogramm des Landes. Hier stehen von 2024 bis 2027 rund 251 Millionen Euro für die Schiene. Das deckt fast genau die Landesanteile von S4, S5 und Marschbahn.

    ✅ Das Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur (LuKIFG). Schleswig-Holstein setzt daraus 200 Millionen Euro für 13 Schienenprojekte ein. Ein Drittel davon fließt erst 2031.

    ✅ Das Landes-GVFG. Rund 43 Millionen Euro im Jahr für kommunale Verkehrsinvestitionen, davon gehen rund 40 Prozent in den Nahverkehr. Ab 2028 wird es um 19 Millionen Euro im Jahr gekürzt, überwiegend zulasten der Straße.

    Für mehrere Vorhaben habe ich im Haushalt noch keinen Topf gefunden, aus dem der Landesanteil später bezahlt werden soll. Nach meiner Rechnung sind das zusammen rund 420 Millionen Euro, der größte Teil für Elmshorn–Pinneberg und Kiel–Lübeck. Das ist bei Projekten, die erst in zehn Jahren gebaut werden, nicht ungewöhnlich. Es heißt aber auch: Die Finanzierung ist noch nicht gesichert.

    Wie sich das Geld auf die Projekte verteilt, zeigt diese Übersicht. Je breiter das Band, desto größer der Landesanteil:

    Und so verteilt es sich über die Jahre:

    Dazu kommt: Alle drei Töpfe haben ein Ablaufdatum. IMPULS ist nach 2027 weitgehend verplant, das Sondervermögen des Bundes Ende 2031 aufgebraucht. Zwischen 2029 und 2031 liegt eine echte Finanzierungsklippe.

    Drei Dinge, die mir auffallen

    1. Gute Projekte brauchen Geduld.

    Von den zwölf Vorhaben gehen bis Ende 2028 genau vier in Betrieb: Kiel–Preetz, Kiel–Schönberger Strand, der erste Abschnitt der S4 und die S5. Alles andere kommt in den 2030ern. Zwischen Planungsbeginn und erstem Zug liegen bei großen Projekten schnell 15 Jahre. Wer heute Entscheidungen trifft, plant für die Pendler*innen von 2040.

    2. Die Kosten wachsen schneller als die Planung.

    Das deutlichste Beispiel ist der Ausbau zwischen Elmshorn und Pinneberg. Der Landesnahverkehrsplan ging mit Stand 2020 von 500 bis 700 Millionen Euro aus. Im Oktober 2026 nannten DB und Land rund 1 bis 1,2 Milliarden Euro. Das ist kein Einzelfall, sondern ein Muster: Baupreise steigen, Anforderungen wachsen, und die erste Schätzung ist oft eher optimistisch.

    Für das Land hat das zwei Folgen. Der eigene Anteil wächst mit. Und die Wirtschaftlichkeit eines Projekts kann kippen. Bundesgeld gibt es nur, wenn das Nutzen-Kosten-Verhältnis über 1 liegt.

    3. Jede neue Strecke kostet auch im Betrieb.

    Das wird gern vergessen. Wenn die S4 oder die S5 fahren, müssen die zusätzlichen Züge auch bestellt und bezahlt werden. Der Landesnahverkehrsplan nennt für die S4 rund 2,9 Millionen Euro und für die S5 rund 8 Millionen Euro im Jahr. Für Elmshorn–Pinneberg sind es 14 bis 20 Millionen Euro im Jahr.

    Dieses Geld kommt nicht aus den Investitionstöpfen, sondern aus den laufenden Mitteln für den Zugbetrieb. Und die sind schon heute knapp: Das Land hat 2024 Verbindungen abbestellt und rechnet bis 2032 mit einer Finanzierungslücke von rund 570 Millionen Euro.

    Meine Einordnung

    Ich freue mich, dass das Land endlich in die Schiene investiert. Viele dieser Projekte sind seit Jahrzehnten überfällig. Die S4 und die S5 werden den Alltag von zehntausenden Menschen im Hamburger Umland spürbar verändern. Die Elektrifizierung der Marschbahn ist schlicht Pflicht, wenn wir Dieselzüge loswerden wollen.

    Aber Bauen allein reicht nicht. Ein Projekt ist erst dann ein Erfolg, wenn danach auch Züge fahren, und zwar verlässlich. Dafür braucht es drei Dinge, die in der Debatte oft zu kurz kommen:

    • eine verlässliche Finanzierung der Landesanteile, nicht nur für die nächsten zwei Haushaltsjahre, sondern für die ganze Bauzeit,
    • und eine ehrliche Rechnung für den Betrieb danach. Wenn neue Strecken eröffnen, während beim bestehenden Angebot gekürzt wird, gewinnen wir wenig.

    Der Straßenbau hat im Landeshaushalt eine feste, jährlich wiederkehrende Position. Für die Schiene gibt es das so nicht. Sie lebt von Programmen mit Ablaufdatum. Dazu schreibe ich in Zukunft mehr.

    Und dann gibt es noch die Frage, wie gebaut wird. Beim Ausbau zwischen Elmshorn und Pinneberg geht es gerade genau darum: S-Bahn oder Regionalbahn? Dazu schreibe ich in Zukunft mehr.


    Quellen

    Kostenstände wie in den Quellen angegeben (unterschiedliche Jahre). Summen und Verteilung der Mittel sind eigene Berechnung.

  • Wie aus Hunger ein Grillfahrrad wurde

    Wie aus Hunger ein Grillfahrrad wurde

    Kennst du das, wenn dir mitten auf einer Radtour der Magen knurrt? Bei den monatlichen Critical-Mass-Touren durch Hamburg — drei bis vier Stunden im Sattel — ging es mir genau so. Irgendwann habe ich beschlossen, das Problem zu lösen. Auf die denkbar unvernünftigste Art: mit einem Grillfahrrad.

    Mein Freund Ollie Schwartz hat die Sache mal so beschrieben:

    Etwa 3–4 Stunden dauern die monatlichen Critical-Mass-Touren durch Hamburg – ganz schön lang, wenn der Magen knurrt. Das fand auch Jonas: Ingenieur, Radfan und leidenschaftlicher Tüftler. Also hat er kurzerhand ein MTB aus den 90ern zum BBQ-Bike umgebaut. Unterbau geschweißt, Holz-Anrichte drauf, E-Motor rein, Gasflasche ran, Grill obendrauf – fertig ist das rollende Grillvergnügen.

    Am Treffpunkt der CM wird der Grill angeworfen – und sorgt direkt für die erste Stärkung. Dann geht’s los. Während der Fahrt zu grillen, ist übrigens eine kleine Kunst – aber Jonas hat’s drauf. Wenn kleine CM-Mitfahrer:innen neben ihm „andocken“ und nach einem Hotdog fragen, greift er zur Grillzange am Lenker – und zack, ab geht die Wurst!

    So charmant liest sich das von außen. Von innen war es vor allem eins: planlos — und das ganz bewusst.

    Ich hatte Hunger, eine Idee und keinen Bauplan. Meine einzige Regel: nichts Neues kaufen. Nur Material, das ich ohnehin im Haus hatte, oder Gebrauchtes. Keine Konstruktion, keine Zeichnung. Trust the process.

    Also habe ich mich über Monate immer wieder in die Werkstatt zurückgezogen und geschweißt. Ein MTB aus den 90ern wurde zum Unterbau. Bei den Kleinanzeigen fand ich einen gebrauchten Grill, dessen Gestell längst weggerostet war — genau der bekam bei mir ein zweites Leben als fahrbarer Rost. Holz-Anrichte drauf, E-Motor rein, Gasflasche ran, Grill obendrauf.

    Beim Treffpunkt der Critical Mass wird der Grill angeworfen, dann geht’s los. Während der Fahrt zu grillen ist eine kleine Kunst — aber man wächst rein. Wenn kleine Mitfahrer:innen neben mir andocken und nach einem Hotdog fragen, greife ich zur Grillzange am Lenker. Und zack: ab geht die Wurst.

    Jonas reicht während der Critical-Mass-Fahrt einen Hotdog vom Grillfahrrad

    Ein paar bewegte Eindrücke von der Fahrt gibt’s auf Instagram.

  • Aus einer Idee wird eine Firma

    Aus einer Idee wird eine Firma

    Aus einer Idee wird eine Firma

    Die letzten Monate waren ein wilder Ritt, aber so langsam wird aus der Idee eine Firma.

    Im Juni habe ich noch echt schlecht geschlafen, als ich den ersten Arbeitsvertrag unterschrieb. Inzwischen sind wir zu sechst, haben die erste kleine Finanzierungsrunde geschafft, regelmäßige und wachsende Umsätze und auch wir Gründer haben endlich wieder ein kleines Gehalt. Neben den mobilen Werkstätten haben wir seit kurzem auch einen Standort auf St. Pauli.

    Die wachsende Payroll und wachsende finanzielle Verpflichtungen sind immer noch scary AF aber das durchweg positive Feedback unserer Kunden lässt mich glauben, dass wir auf dem richtigen Weg sind und ein echtes Problem lösen.


    Zuerst erschienen auf LinkedIn.

  • Crisis? What Crisis? – Was die Marktzahlen wirklich sagen

    Crisis? What Crisis? – Was die Marktzahlen wirklich sagen

    Crisis? What Crisis?

    Die ZIV Marktdaten für 2023 sind da und in der Presse liest es sich fast wie Schadenfreude, dass der Boom gebrochen sei.

    Dabei sehen die Zahlen bedeutend besser aus, als viele es in 2023 befürchtet hatten.

    Was ist wirklich passiert?

    Die Gesamtumsätze sind von 22 auf 23 zurückgegangen von 7,36 Milliarden auf 7,06 Milliarden. Allerdings bewegen sie sich nach wie vor auf einem Niveau über dem COVID Boom von 2020 und 2021 und fast doppelt so hoch wie vor 2020.

    Die Stückzahl über alle Produkte ist seit vielen Jahren stabil um die 4 Millionen Stück pro Jahr. In den Boom Jahren war sie vorübergehend deutlich höher. Aber ein Trend ist nicht zu erkennen.

    Der klare Trend ist in der Verschiebung von “Bio-Bikes” zu E-Bikes und damit auch ein höherer Verkaufspreis pro Stück.

    2023 sind erstmals mehr E-Bikes als unmotorisierte Fahrräder verkauft und damit ist eine Flotte von 11 Millionen Elektrofahrzeugen auf der Straße.

    Mein Fazit: Klar ist das eine schwierige Zeit für die Branche – vor allem, weil der Markt schneller gewachsen ist, als die Strukturen. Die große Krise ist es aber nicht.


    Zuerst erschienen auf LinkedIn.

  • Work ≠ Life

    Ich habe gerade bei Silicon Pauli etwas sehr schlaues gelesen: „Work ≠ Life: (…)Viele von uns haben Familien mit Kindern. Das Unternehmen ist für uns kein Familienersatz. Und so arbeiten wir auch: ehrgeizig, effektiv, fokussiert. Damit wir rechtzeitig zuhause sind, um mit unseren Familien zu essen.“

    Rückblickend hätte ich den Gedanken gerne vor 10 Jahren gelesen.


    Zuerst erschienen auf LinkedIn.

  • Das Auto-Zeitalter ist vorbei

    Das Auto-Zeitalter ist vorbei

    Preaching to the Choir.

    Fragile hängengebliebene Bild-Leser bekommen von Peter ihre wöchentliche Bestätigung zu den Guten™ zu gehören, währen Lastenräder nur von Prenzlberger Gutmenschen™ gefahren werden.

    Was Peter verpasst hat, ist dass das SINUS-Institut alle zwei Jahre für das Bundesministerium für Verkehr einen Fahrrad-Monitor erstellt, demnach 17% der Deutschen konkretes Kaufinteresse an einem Lastenrad äußern.

    Ja. Es gibt einen Unterschied zwischen Stadt und Land. Der ist aber bei Weitem nicht so groß wie das Bauchgefühl (auch meins übrigens) uns glauben lässt. Während die Bevölkerung im ländlichen Raum 16% angibt, gibt die im Städtischen Raum 18% an.

    Und so hat sich das Bild auch in meinem ländlichen Umfeld in den vergangenen Jahren stark gewandelt. War ich vor 5 Jahren am Supermarkt noch Exot und den Leuten fiel die Kinnlade runter, dass ein Fahrrad 8000€ kosten kann, stehen heute meist schon 5-10 dort, wenn ich ankomme.

    Ich freue mich über die Aufmerksamkeit, die Peter und die Bild dem Lastenrad alle paar Wochen wieder widmet. Sie zeigt, dass andere Verkehrsmittel als das Auto zunehmend eine Rolle spielen.

    Das Auto wird noch lange eine wichtige Bedeutung im Verkehr haben. Aber das Auto-Zeitalter ist vorbei.


    Zuerst erschienen auf LinkedIn.

  • Liebe IHK: keine A20 in meinem Namen

    Liebe IHK: keine A20 in meinem Namen

    Liebe IHK zu Kiel, Ich möchte nicht, dass ihr euch in meinem Namen für die Verlängerung der #A20 einsetzt. Wir haben 2024. In nur 16 Jahren soll Schleswig-Holstein dekarbonisiert sein. Wie kann es da eine zeitgemäße Lösung sein mehr Asphalt und mehr Verkehr zu schaffen? Ich verstehe den Engpass bei Bad Segeberg, und dass dafür eine Lösung gefunden werden muss, aber eine zusätzliche Straße quer durch Norddeutschland löst auch in Bad Segeberg kein Problem.

    Straßen machen Straßenverkehr.

    Ich wünsche mir, dass ihr eure Windschutzscheiben-Perspektive ablegt.

    Ich wünsche mir von euch, dass ihr dafür kämpft, dass kein Gewerbegebiet mehr ohne Bahnanschluss gebaut wird. Ich wünsche mir dass ihr FRS bei der Forderung unterstützt, den neuen Elbtunnel abzusagen und stattdessen eine leistungsfähige elektrische Elbfähre zu bauen. Ich wünsche mir, dass ihr euch für Parkraumbewirtschaftung einsetzt, weil belegt ist, dass das gut für den stationären Handel ist.

    Ich wünsche mir, dass ihr für Zukunft und nicht für Vergangenheit steht.


    Zuerst erschienen auf LinkedIn.